Pastoralraum Hardwald am Rhy Birsfelden, Muttenz, Pratteln/Augst, Missione Cattolica Italiana

Römisch-katholische Pfarrei Muttenz

Johannes Maria Vianney (Pfarrer von Ars)

Das Kirchenjahr

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Die liturgiesche Farbe Violett

Ende November, Anfang Dezember beginnt jeweils eine neue Zeit, eine besondere Zeit. Sie heisst offiziell Adventszeit. Werden wir dieser Adventszeit noch gerecht oder trägt sie einen falschen Namen? Ich persönlich bin zur Überzeugung gekommen, dass diese wertvolle Zeit abgeschafft und durch eine vollwertige Scheinwelt ersetzt wurde. Im wahrsten Sinne des Wortes wird das Wesentliche dieser Zeit durch künstliche Massenbeleuchtungen ausgeblendet. Was da den Mitmenschen zugemutet wird, grenzt schon bald an Unverschämtheit. Gottlob wird dieser Lichtsturm nicht von der Kirche verordnet – Kirchenaustritte wären sicher!

Für die Kirche ist und bleibt es Advent – innere Vorbereitung auf das grosse Licht, das in Jesus Christus erschienen ist und an Weihnachten gefeiert wird. Für die Kirche ist und bleibt es Advent dahin gehend, dass wir auf Christus den Auferstandenen hoffnungsvoll warten, der uns Menschen und die ganze Schöpfung bei seinem endgültigen Kommen vollendet. Für die Kirche ist und bleibt der Advent die Zeit des Überganges und der Verwandlung. Übergang in dem Sinne, dass wir durch unsere eigenen und fremden Verblendungen nicht erblinden, sondern uns hellwach hin bewegen dürfen auf das Wesentliche, das Licht, welches in aller Einfachheit und Stille uns entgegen leuchtet. Verwandlung ist der Advent, weil in diesem adventlichen Licht bereits das Osterlicht aufscheint und wir als adventliche Menschen erlöst dem österlichen Licht entgegen gehen dürfen.

Mit dem Advent beginnt ein neues Kirchenjahr. In den Gottesdiensten ist, wie auch in der Fastenzeit, die Farbe Violett angesagt. Violett ist Symbol der Reue und der Busse. Anders ausgedrückt, sie weist uns auf das «Kerngeschäft» der Vorbereitung auf ein Fest hin. Wir Menschen dürfen uns in aller Stille selber finden, uns selber Raum schenken und all unseren Ballast entfernen lassen, um dem Platz zu machen, der unser Leben ausmacht. Dem, der selber Mensch wurde und durch sein adventliches und österliches Licht uns verwandelt in lichtvolle Menschen. In Menschen, die sich selber und andere nicht blenden, sondern wie die Flamme einer Kerze einfach da ist und still und bescheiden Zeugnis ablegt vom Licht der Welt. Für die Kirche ist und bleibt es – trotz allen Widerständen – Advent, weil erst im Verzicht und in der Haltung des Wartens die Fülle des Christusgeschehens wahrgenommen wird und in uns eine Herberge finden kann!

Die liturgische Farbe Violett wird während der Advent- und Fastenzeit in der Kirche getragen.

René Hügin, Pfarrer

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Die liturgische Farbe weiss/gold

Das festliche, goldene Messgewand

Sie stimmen mir zu, wir tragen bei Gartenarbeiten andere Kleider, als wenn wir am Sonntag den Gottesdienst besuchen. Wohl kaum behalten wir die Wanderkleidung an, wenn wir am Abend ein Konzert besuchen. Damit will ich keineswegs die Wander- oder Gartenkleidung abwerten, aber alles zu seiner Zeit. Die Kleidung kann auf die innere Haltung und Einstellung hinweisen und umgekehrt. Damit das Innere nicht einfach für sich selber schwelgt, kann man es z.B. durch die Kleidung sichtbar machen und so Mitmenschen an der Freude teilnehmen lassen. Für uns Menschen, so denke ich, ist es wichtig, hie und da aus dem alltäglichen Trott auszusteigen, um in etwas Besonderes einsteigen zu können. Damit meine ich nicht oberflächliches Glanz und Gloria, sondern ein wohltuender Wechsel von einem Zimmer der Lebenswohnung in ein anderes. Oder etwas profan ausgedrückt: Tapetenwechsel tut immer gut!

Unsere Kirche begnügt sich an Hochfesten nicht nur mit schönem Gesang und beglückender Musik. Ein Hochfest, wie das bevorstehende Osterfest, die Auferstehung Jesu, wird auch durch ein festliches Gewand des Priesters hervorgehoben. Die Augen, die ebenso wie die Ohren Wege ins Herz sind, dürfen das Festliche wahrnehmen und so das gewisse Etwas in sich wirken lassen. Gerade das Osterfest, das allen christlichen Festen erst ihren Sinn gibt, wird mit einem speziellen Gewand gefeiert, ebenso wird der Kirchenraum entsprechend geschmückt. Das Auge «isst» auch da mit!

Als österliche Menschen dürfen wir diesem Leben in Fülle Ausdruck verleihen und dies eben nicht nur mit freudigen Herzen bekunden, sondern auch durch schöne, lebensfrohe Gewänder. Ostern, Weihnachten, Feste der Gottesmutter, Feste von Heiligen, die nicht durch den Märtyrertod starben, und Engelfeste erhalten durch das weisse, goldene Messgewand ihre eigene Note. Es sind Feste, die herausgehoben werden vom Alltäglichen, die uns aber immer wieder neu in Erinnerung rufen: Mensch, dein Ziel ist nicht Dunkelheit, Sinnlosigkeit und Trauer, vielmehr hast du Anteil an der himmlischen Schönheit. Dies soll aber schon im Jetzt und im Heute verschiedentlich zum Ausdruck kommen.

René Hügin, Pfarrer

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Die liturgische Farbe Rot

Wenn ich als Priester einer Hochzeitsfeier vorstehen darf, dann trage ich immer ein rotes Messgewand. Das irritiert die Sakristaninnen und Sakristane sehr, denn normalerweise wird ein festliches, goldenes Gewand getragen. Schliesslich ist die Hochzeit ein frohes, festliches Ereignis. Wenn ich dann gefragt werde, warum ich Rot trage, gebe ich zur Antwort: «Entweder ist es Liebe oder Martyrium!»

Wenn wir im Gottesdienst das rote Messgewand tragen, dann hat dieser Farb-Ausdruck mit der Liebe und mit dem Martyrium zu tun. Es gibt seit Beginn des Christentums Menschen, die wegen ihres Glaubens an Christus den Gekreuzigten und Auferstandene enorm leiden und sogar getötet werden. Es fliesst Blut, weil sie aus reinster Liebe zu Christus von ihrer Überzeugung nicht weg zu bringen waren. Denken wir z.B. an Diakon Stephanus, den wir bereits nach Weihnachten am 26. Dezember feiern, der erste Märtyrer der Glaubensgemeinschaft. Er wurde zu Tode gesteinigt. Wie weit würden wir eigentlich gehen, frage ich mich immer wieder? Sein Leben hingeben, opfern, für Christus? Oder wie billig würden wir uns aus der Schlaufe ziehen? Durch die ganze Kirchengeschichte hindurch gab es Frauen und Männer, die wussten, zu wem sie gehörten. Keine Waffe, keine Ideologie konnten sie abnabeln, endete ihr Bekenntnis noch so brutal. Immer schon hat die Kirche besonders jenen Menschen gedacht, welche unerschrocken und alles andere als lau und unverbindlich alles in Kauf genommen haben, um ihren Glauben zu bewahren. Im Märtyrertod wurden sie Christus am Kreuz ähnlich, der sich aus reinster Liebe für uns hingegeben hat. Ich bedauere sehr, dass gerade die vielen Märtyrergestalten der Kirche, wie so vieles, in Vergessenheit geraten sind. Wir leben so, als hätte es sie nie gegeben. Wir äussern uns so, als hätte nur die Kirche getötet! Dabei waren es diese Menschen, die durch ihr Blut die heranwachsenden Glaubenspflänzchen tränkten. Wenn einer oder eine getötet wurde, liessen sich drei taufen. Vielleicht sollte es uns gerade in der heutigen Zeit langsam dämmern, dass wir den Himmel und die Kirche nicht töten können. Je mehr gehasst und verunglimpft wird, umso mehr lassen die Märtyrerinnen und Märtyrer ihre Liebe vom Himmel regnen, um all jene zu stärken, die geduldig ausharren.

An Pfingsten wird Rot getragen, als Zeichen des Feuers und Sinnbild des Heiligen Geistes. Ebenso an Firmungen, wo wir um die Gaben des Heiligen Geistes bitten, kommt Rot zum Leuchten.

Der Palmsonntag steht ganz im Zeichen von Rot. Wir begleiten Christus in die Stadt Jerusalem, um mit ihm die Feier der Karwoche zu vollziehen. Ein Liebesakt unsererseits, denn was in dieser Woche geschieht, ist ein Akt der Liebe Gottes uns Menschen gegenüber. Wir sind mit Christus in seinen Tod hinein begraben (getauft), um mit ihm in der Auferstehung zu leben. Rot ist die Liebe.

René Hügin, Pfarrer

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Die liturgische Farbe Grün

Grün ist die liturgische Alltagsfarbe. Sie wird zu allen «normalen» Sonn- und Werktagen des Kirchenjahres getragen. Das Kirchenjahr teilt sich ein in Jahreskreisen, welche bestehen aus Adventszeit, Weihnachtszeit, Fastenzeit und Osterzeit, die bis Pfingsten dauert. Zwischen diesen Festen liegt die «normalen» Zeit des Jahreskreises, an denen die Farbe Grün in den Gottesdiensten getragen wird. Also, der Alltag kehrt auch im Gottesdienst ein! Auch Jesus kannte, so wie wir, den grauen Alltag. Grün, die Farbe des organischen Wachstums und der Hoffnung! Wenn es in der Natur zu grünen beginnt, dann endet der Stillstand und Neues treibt. Grün, die Farbe der Hoffnung. Kann der Alltag noch so grau, langweilig, schmerzlich und eintönig sein, als Christen sind wir durch die Auferstehung Jesu von der Hoffnung durchdrungen. Das Alltägliche wird immer durch die Hoffnung getragen, denn zu Christus Gehörende stecken wir den Kopf nicht hoffnungslos in den Sand wie jene, die keine Hoffnung haben.

Auch wenn das grüne Messgewand als Alltagsfarbe bezeichnet wird, darf es für uns gerade im Alltag zum Zeichen von Ostern werden, denn es gibt auch das sogenannte Immergrün, das uns hinweist auf unser österliches Ziel, auf unsere Unvergänglichkeit bei Gott.

René Hügin, Pfarrer